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 „Visionen sind Strategien des Handelns.
 Das unterscheidet sie von Utopien.“ Roman Herzog

Konzept

für die Nutzung der Liegenschaft/Grundstück Amelinghausen

 Nicos Farm e.V., Wandsetwiete 2, 22047 Hamburg
 Telefon 040 / 656 838 20 - Mobil: 0170 413 1404
 http://www.nicosfarm.de

Hamburg, im Januar 2014

Inhaltsverzeichnis

 1. Der Hintergrund
 2. Der Verein „Nicos Farm e.V.“
 3. Ziel des Projektes
 4. Das gesuchte Objekt
 5. Nicos Farm in Maschen
 5.1 Beschreibung
 5.2 Nicos Farm als ganzheitliche Lebensart und Lebensform
 5.3 Nicos Farm als Arbeitsort
 5.4 Nicos Farm als Ort für Kultur und Bildung
 5.5 Nicos Farm als Begegnungsstätte
 6. Therapie auf Nicos Farm
 7. Generationsübergreifendes Wohnen auf Nicos
 8. Kooperationsprojekte in Amelinghausen
 9. Schlusswort

1. Der Hintergrund

Eltern mit behinderten Kindern stehen vor besonderen Herausforderungen, wenn sie ihr Kind nicht in einem Heim untergebracht haben, sondern es zuhause betreuen. Die Pflege des oder der Kinder ist nicht nur eine enorme psychische und physische Belastung, sondern führt meist auch dazu, dass die Eltern keiner normalen beruflichen Tätigkeit nachgehen können und auf die finanzielle Hilfe vom Staat angewiesen sind. Aufgrund der begrenzten und für die angemessene Pflege des Kindes nicht ausreichenden Mittel geraten Familien mit behinderten Kindern nicht selten in finanzielle Nöte und gesellschaftliche Isolierung.

Während gesunde Kinder schon frühzeitig damit beginnen, eigenständig zu werden, allein oder mit Anderen zu spielen, Hobbys nachzugehen etc., stehen bei den Eltern von behinderten Kindern wöchentlich meist nicht nur mehrere Fahrten zum Arzt und verschiedene Therapien auf der Tagesordnung. Die dauerhafte Beaufsichtigung und Betreuung der behinderten Kinder bedeutet, dass Eltern so gut wie keine freie Zeit für eigene Dinge, zur Erholung oder Zweisamkeit bleibt. Permanenter Stress und körperliche Anstrengungen führen bei vielen Vätern und Müttern zu Burnout o.ä. sowie dem Gefühl, allein gelassen zu werden.

Ein Großteil der Familien hält diesem Druck nicht stand und zerbricht. Oft bleibt ein Elternteil mit dem Kind allein zurück, was die Notlage zumeist verschlimmert. Die Flucht in Abhängigkeiten ist für Manche der scheinbar einzige Ausweg.

Als weitere Erschwernis kommt hinzu, dass sich auch oder gerade Eltern von behinderten Kindern wünschen, dass ihre Kinder als Erwachsene ein halbwegs selbstständiges Leben in liebevoller Umgebung führen können. Insbesondere dann, wenn Vater und Mutter nicht mehr als Betreuer und Lebensbegleiter zur Verfügung stehen. Die Aussicht, dass das eigene Kind später im Pflegeheim endet, weil kein anderer Platz in der Gesellschaft da ist, ist für viele Angehörige quälend, besonders vor dem Hintergrund der wachsenden Intoleranz in der Ge-sellschaft gegenüber Menschen, die nicht den üblichen Normen entsprechen sowie der kritischen Pflegesituation in den Heimen. Neben den zu bewältigenden Alltagsproblemen ist die Zukunftsangst für viele Familien mit behinderten Kindern täglicher Begleiter.

2. Der Verein „Nicos Farm e.V.“

Nach zahlreichen Gesprächen mit anderen betroffenen Eltern und angetrieben von der eigenen Angst um die spätere Zukunft seines schwerbehinderten Sohnes wurde auf Initiative von Arnold Schnittger aus Hamburg im Januar 2008 der Verein „Nicos Farm e.V.“ gegründet, dessen Gemeinnützigkeit anerkannt ist.

Arnold Schnittger ist Vater eines seit der Geburt körperlich wie geistig schwer behinderten 18-jährigen Jungen - Nico Schnittger. Seine Idee, für Familien bzw. Alleinstehende mit behinderten Kindern einen gemeinsamen Lebensraum aufzubauen, in dem die Gemeinschaft dafür sorgt, dass sich keiner allein gelassen fühlt und Eltern nicht unter dem Druck des Alltags und der Zukunftsängste zerbrechen, findet viele Anhänger. Nicht nur Vereins- und Fördermitglieder engagieren sich für dieses Vorhaben. Auch viele Künstler wie Konstantin Wecker, Uwe Friedrichsen sowie Vereine wie „Nestwärme e.V.“, „wir pflegen e.V.“ u.v.a. unterstützen die Idee für das Projekt mit vielfältigen Aktionen.

3. Ziel des Projektes

Ziel des Projektes ist es, Familien mit behinderten Kindern das Leben durch Gemeinschaft zu erleichtern und einen Ort zu schaffen, an dem die Kinder auch im Erwachsenenalter bleiben und nach ihren Möglichkeiten wirken können.

4. Das gesuchte Objekt Der Verein „Nicos Farm e.V.“ ist seit langer Zeit bemüht, ein Objekt zu finden, das in erster Linie die Möglichkeit zum Zusammenleben verschiedener Familien in getrennten Einheiten bietet. Darüber hinaus muss die Durchführung und ggf. spätere Ansiedlung verschiedener Therapieangebote möglich sein. Wert wird auch darauf gelegt, dass kulturelles Leben in bzw. beim Objekt stattfinden kann.

Zusammengefasst hat der Verein folgende Kriterien für das gesuchte Objekt defi-niert:

stadt- und ortsnahe Lage mit Verkehrsanbindung möglichst geringer Investitionsaufwand Barrierefreiheit in hohem Maße Raum für Wohneinheiten für mindestens 12 - 15 Familien Raum für generationsübergreifendes Wohnen Raum für betreutes Wohnen Raum für Therapieangebote Raum für berufsbegleitende Maßnahmen und Förderungsmöglichkeiten Raum für kulturell-gesellschaftliche Aktivitäten im Innen- und Außenbereich umgebendes Grundstück mit ausreichend Raum für Gärten, Spielplatz, Tierhaltung, Ruhebereich, kulturelle Aktivitäten geschlossener Komplex räumliche Möglichkeit, mit anderen Trägern zu kooperieren

5. Nicos Farm in Amelinghausen 5.1 Beschreibung Als das nach den oben genannten Kriterien am meisten geeignete Objekt wird die Liegenschaft in Amelinghausen eingeschätzt. Das Gelände umfasst eine beachtlich große Frei- Grün- und Waldfläche.

Diese Freiflächen eignen sich hervorragend für den Neubau der hier angedachten Wohn- und Dienstleistungsform mit separaten Wohneinheiten.

Das Grundstück verfügt über umfangreiche Flächen, die neben den Wohnflächen als Grünfläche, jedoch auch zu Gartenbauzwecken und Tierhaltung landwirtschaftlich genutzt werden können. Mit dem Anbau von Obst und Gemüse kann so ein Wirkungsraum für die Gemeinschaft, insbesondere für die behinderten Menschen, entstehen, mit dem perspektivisch auch Erlöse durch den Verkauf von Gartenbauprodukten erzielt werden können.

Im Folgenden wird der Gedanke, der hinter dem Projekt steht, näher erläutert.

5.2 Nicos Farm als ganzheitliche Lebensart und Lebensform Für das Zusammenleben der Familien gibt es beim Verein „Nicos Farm e.V.“ grundsätzliche Vorstellungen, die weiterhin zu spezifizieren und zu einer Haus- und Hofordnung mit Rechten und Pflichten für die einzelnen Parteien auszubauen sind. Schwerpunkt liegt dabei vor allem darauf, dass sich die Familien unter-einander organisiert unterstützen, beispielsweise bei der Beaufsichtigung der Kinder, bei der Wahrnehmung von Therapien, bei der Freizeitgestaltung, aber auch bei der Lösung beruflicher Schwierigkeiten. Dies geschieht mit dem Ziel, jedem einzelnen Elternteil mehr Freiraum für sich selbst einzuräumen und sukzessive ein Stück weit vom eigenen Kind loszulassen. Hofbewohner werden jedoch auch entsprechend ihrer Möglichkeiten verpflichtet, bestimmte Aufgaben für die Gemeinschaft zu übernehmen.

Nicos Farm wird von mehreren Parteien in separaten Einheiten mit Wohn- und Schlafräumen sowie sanitären Einrichtungen bewohnt. Im Sinne der Gemeinschaft ist angestrebt, zusätzlich eine gemeinsame Küche mit Essensraum zu führen. Die Wohneinheiten werden durch den Verein „Nicos Farm e.V.“ regulär zu üblichen Bedingungen an die Familien vermietet.

In der Startphase des Projektes können erste Erfahrungen gesammelt werden und in den weiteren Ausbau des Hofes sowie die Haus- und Hofordnung einfließen. Vorzugsweise sind für den Start Familien auszuwählen, deren Kinder leichtere bis mittlere Behinderungen haben. Grundsätzlich erfolgt die Auswahl der Hof-Familien mittels Bewerbungsverfahren. Richtlinien für die Aufnahme sind durch den Verein festzuschreiben und offen zu legen.

Die behinderten Kinder wohnen in den Wohnungen ihrer Eltern und werden durch diese betreut. Entsprechend des Alters besuchen sie tagsüber reguläre Schulen oder werden durch die Familie versorgt. Benötigte Therapien werden auf dem Hof angeboten. Entsprechende Angebote von Therapeuten liegen dem Verein bereits vor, ebenso Anfragen für die Niederlassung spezieller Therapeuten, was längerfristig vom Verein angestrebt wird.

Zu einem von der jeweiligen Familie und in Abstimmung mit der Hofbetreuung und den Therapeuten bestimmten Zeitpunkt wechseln die behinderten Kinder bzw. Jugendliche in eine Gruppe für betreutes Wohnen auf dem Gelände.

Der wesentliche Bestandteil und Eckpfeiler dieses Konzeptes ist es, dass die Kinder nicht, wie ansonsten notwendig, in einem Pflegeheim betreut werden müssen, sondern, dass sie das Recht erhalten, ihr Leben lang in der Einrichtung „Nicos Farm“ bleiben zu dürfen. Neben dem würdevollen Umgang mit den Bewohnern ist der Aspekt der Kostenersparnis für die Allgemeinheit wesentlich. Ein Heim- oder Pflegeplatz für die körperlich und geistig behinderten Kinder ist, je nach Betreuungsaufwand, mit ca. 5.000 €uro monatlich zu beziffern. Die Betreuung auf „Nicos Farm“ ist somit um ein Vielfaches günstiger.

Der Hof bietet ideale Voraussetzungen für eine aktive Freizeit mit therapeutischem Charakter. Neben Gartenbau nach ökologischen Prinzipien und der artgerechten Haltung von therapeutisch sinnvollen Haustieren bieten auch die angrenzenden Waldgebiete umfangreiche Möglichkeiten, die behinderten Kinder mit Natur und Umwelt in Kontakt zu bringen. Ein Spielplatz mit behindertengerechten Spielgeräten, Erlebnispfad etc. kann darüber hinaus als Bewegungszentrum dienen.

Generationsübergreifend sind im Wohnkomplex 3 - 5 Wohneinheiten für Senioren vorgesehen. Inklusion und Integration von behinderten Menschen (aber auch von älteren Menschen) ist fester Bestandteil unserer Vereinsphilosophie. So führen wir beispielsweise seit Jahren bundesweite Aktionen durch, wie „Ein Lichtermeer für Deutschlands behinderte Kinder“, mit dem Ziel, die Akzeptanz für behinderte Menschen / Kinder zu erhöhen, zu sensibilisieren und deutlich zu machen, dass Behinderung uns alle angeht.

5.3 Nicos Farm als Arbeitsort Für die Erhaltung und Bewirtschaftung von Nicos Farm sowie für die Unter-stützung der Familien bedarf es entsprechender personeller Ressourcen.

Folgendes Personal ist für die Anfangsphase erforderlich:

- 1 Hofleiter/in Vollzeit – Administration des Hofes - 1 Mitarbeiter/in in Vollzeit bzw. 2 Mitarbeiter/innen in Teilzeit – verantwortlich für Haustechnik und Grundstückspflege, Versorgung der Haustiere und Garten (Hausmeister)

Entsprechend der weiteren Entwicklung des Hofes ist Personal zu entwickeln. Insbesondere im Bereich Betreuung wird es hier – spätestens mit der Einrichtung der ersten Wohngruppen für die behinderten Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen – Bedarf geben. Für die Unterstützung der Arbeit des Stammpersonals ist der Einsatz von Mitarbeitern im Rahmen des freiwilligen sozialen Jahres bzw. ehrenamtlichen Tätigkeiten angestrebt.

Des Weiteren ergeben sich aufgrund der geplanten Einrichtungen auf Nicos Farm Möglichkeiten, Arbeitsplätze für Behinderte zu schaffen, die ansatzweise in den folgenden Kapiteln zu finden sind. Diese lassen sich im Laufe der Zeit höchst-wahrscheinlich noch ausweiten.

Für die Bewohner sollen nachfolgend aufgeführte Arbeits- und Fördermaßnahmen gebildet werden:

holz- und metallverarbeitende Beschäftigungen (Tischlerei, Schlosserei) Gartenpflege, Wald- und Forstwirtschaft therapeutische Landwirtschaft Tierpflege Gastronomiebereiche (Küche, Service)

Auch die Bewohner mit besonderem Aufmerksamkeits- und Unterstützungsbedarf erhalten die Möglichkeit einer sinn- und würdevollen Beschäftigung, die sie von Sozialleistungen weitgehend unabhängig machen soll.

5.4 Nicos Farm als Ort für Kultur und Bildung

Durch seine Anordnung und die Art der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten bietet der Hof gute Möglichkeiten für reges Kulturleben. Künstler aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen, mit denen wir bereits intensiv zusammengearbeitet haben, finden hier eine Bühne bzw. einen Ausstellungsort der besonderen Art. Durch die intensiven Kontakte der Mitglieder von „Nicos Farm e.V.“ in die Hamburger Kultur- und Vereinsszene kann mittelfristig ein ganzjähriges Kulturprogramm angeboten werden. Nicos Farm kann sich hier öffentlichkeitswirksam präsentieren und sich zu einer festen Größe in der Kunst- und Kulturlandschaft entwickeln. Neben dem finanziellen ist hier besonders auch der integrative Aspekt zu sehen: Mit Veranstaltungen wie Konzerten, Ausstellungen und Lesungen werden nicht nur Erlöse erzielt und ggf. Sponsoren gefunden.

Sie können darüber hinaus dazu beitragen, Vorurteile gegenüber behinderten Menschen abzubauen und das Bewusstsein zu wecken, dass Behinderung nicht zwangsweise Ausgrenzung bedeutet.

5.5 Nicos Farm als Begegnungsstätte Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Verein Nicos Farm und verschiedenen Senioren- sowie kirchlichen Einrichtungen bietet die Möglichkeit zahlreicher gemeinsamer Aktivitäten. Dieses wird von den genannten Einrichtungen auch sehr begrüßt und trägt überdies zusätzlich dazu bei, die Integration behinderter Menschen zu fördern

Denkbar ist auch eine Zusammenarbeit mit nahe gelegenen Schulen. So könnten beispielsweise die auf Nicos Farm angebotenen Therapien auch von anderen Kindern dieser Schulen genutzt werden.

Des Weiteren wird das Betreiben eines Kaffeeladens angestrebt. Dieser soll auch als Begegnungsstätte und Anziehungspunkt – auch oder gerade für gesunde Menschen – dienen. Hier könnten auch Backwaren aus eigener Herstellung angeboten werden. Auch hier können perspektivisch Beschäftigungsplätze für Behinderte (nicht nur Hofbewohner) geschaffen und zusätzliche Erlöse erzielt werden. Auf dem „Hof Ehlers“ in Hasenmoor, nördlich von Hamburg, wird dieses seit Jahren erfolgreich praktiziert.

6. Therapie auf Nicos Farm

Menschen mit Behinderung sind auf kontinuierliche Therapien wie Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie angewiesen, um die größtmögliche Selbständigkeit zu fördern und aufrecht zu halten. Auf Nicos Farm gäbe es die einmalige Gelegenheit diesen wichtigen Baustein mit in den Alltag der Bewohner einzubauen. Oftmals müssen die Kinder und Jugendlichen nach der Ganztagsbetreuung in Kita, Schule und Werkstatt ihre Therapietermine einhalten. Dies bedeutet zusätzliche Belastung und Organisation für alle Beteiligten und häufig Ineffektivität aufgrund von physischer und psychischer Überforderung.

Auf der Farm soll es die Möglichkeit geben, Therapien vor Ort anzubieten. Dieses hätte den großen Vorteil, neben dem Abbau von Organisationsfaktoren, der alle Familienmitglieder betrifft, dass die Kinder und Jungendlichen in ihrem gewohnten Alltag versorgt wären. Denn das Ziel einer jeden Therapieform ist der Bezug zum Alltag. Die therapeutische Versorgung könnte direkt im gewohnten Umfeld stattfinden. Hierbei sei besonders der Schwerpunkt auf die Aktivitäten des täglichen Lebens, wie Selbstversorgung und Selbständigkeit im gewohnten Umfeld genannt.

Doch auch der Bereich Produktivität (Werkstatt, Gartenbau, Cafe o.ä.) würde in den Therapieprozess mit eingebaut werden können. Hierbei ist das Ziel, die verschiedenen Bereiche therapeutisch zu adaptieren, bzw. mit jedem einzelnen Bewohner an der Optimierung der Prozesse durch spezielle Therapieverfahren zu arbeiten. Die Wichtigkeit der Therapie im gewohnten Umfeld ist besonders zu betonen, da nur so Therapieziele auf den Alltag transferiert werden können und das sollte, im Hinblick auf begrenzte Mittel der Krankenkassen in der Heilmittelversorgung, oberste Priorität haben. Zudem kann ein intensiver Austausch aller am Therapieprozess beteiligten Therapeuten, Heilpädagogen etc. direkt vor Ort stattfinden.

Somit ist ein hohes Maß an Qualität und vor allen Dingen Effizienz gegeben. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die unmittelbare Nähe zu den Familien. Eine intensive Elternarbeit und –beratung ist im therapeutischen Bereich unendlich wertvoll und kann in der ambulanten Therapie aufgrund von Zeitmangel und Verordnungsart nicht immer in vollem Umfang geleistet werden.

Neben den Angeboten im Wohnraum und Umfeld werden natürlich noch Therapieräume eingerichtet, in denen verschiedene Bewegungsangebote stattfinden können.

Für die Organisation der therapeutischen Versorgung sind folgende Modelle vorstellbar:

1. eine interdisziplinäre Praxis wird auf dem Gelände eingerichtet. Hierzu mieten Therapeuten Räumlichkeiten auf Nicos Farm an. Die Praxen sollen auch externen Klienten zugänglich gemacht werden. Es bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung, dass die auf dem Gelände wohnenden Senioren ebenfalls von diesen Einrichtungen profitieren sollen.

2. es kommen – je nach Bedarf – Therapeuten von externen Praxen auf das Gelände, die die vorhandenen Therapieräume und das Wohnumfeld zur Behandlung nutzen.

3. neben der Behandlung auf Rezept wäre es auch denkbar, dass Nicos Farm e.V. auf Basis eines Kooperationsvertrages Therapeuten stundenweise einstellt.

Neben der Farmphilosophie der ökologischen Selbstversorgung, soll die tiergestützte Therapie ein wichtiger Bestandteil des Projektes sein. Aus der bisher gemachten Erfahrung der Familien und Therapeuten im Bereich der tiergestützten Therapie (Delfintherapie, Hippotherapie, Therapiebegleithunde etc.) hat sich die Mensch-Tier-Beziehung als etwas sehr wertvolles herauskristallisiert. Immer mehr wissenschaftliche Studien belegen den heilenden und motivierenden Effekt, den Tiere auf den Menschen ausüben. Tiere begegnen Menschen wertfrei, kommunizieren ohne Worte, sorgen, wissenschaftlich nachweisbar, für Entspannung, erlauben Körperkontakt, der sonst häufig nur durch die engsten Bezugspersonen gestattet wird.

Tiere machen keinen Unterschied zwischen behindert und nichtbehindert, fordern häufig auch von sich die Interaktion ein.

Ein zusätzlich wichtiger Faktor in der Arbeit mit Tieren ist der versorgende Aspekt. Die Kinder und Jugendlichen von Nicos Farm können das Gefühl erleben, von ihren Tieren gebraucht zu werden. Sie mit Futter, Stallpflege und Streicheleinheiten zu versorgen und sich damit aus der Rolle der Hilfsbedürftigen in der Rolle der Versorgers zu sehen, leistet einen besonders wichtigen Beitrag zur emotionalen Entwicklung und Stärkung des Selbstwertgefühles. Auch hier ist die Einbindung der Senioren in die tiergestützte Therapie eine Selbstverständlichkeit.

7. generationsübergreifendes Wohnen

Das Thema „Neue Wohnformen“ hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Neue Wohn- und Lebensformen sind in der Folge der demografischen Veränderungen dringend notwendig.

Eine Wohngemeinschaft, nach unseren Vorstellungen, ist geprägt von gegenseitiger Hilfsbereitschaft und einem Gemeinschaftssinn, der über die üblichen nachbarschaftlichen Kontakte hinausgeht.

Nicos Farm ist offen für Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Weltanschauungen und macht in dieser Hinsicht keine Vorgaben. Jeder, der mit uns in einer guten Gemeinschaft leben möchte, ist willkommen. Erwartet wird allerdings die Bereitschaft an der Gestaltung des Gemeinschaftslebens, insbesondere vor dem Hintergrund der aufgrund der behinderten Menschen besonderen Lebenssituation.

Auf diese Weise soll der Vereinzelung und Vereinsamung entgegengewirkt werden und ein lebendiges Miteinander in verbindlichen und verlässlichen Strukturen geschaffen werden.

Für viele Senioren ist eine stationäre Pflegeeinrichtung keine akzeptable Wohnform. Durch die engeren Kontakte werden die Älteren länger geistig und körperlich flexibel bleiben, die Singles eine Gemeinschaft bekommen, die Familien mit ihren behinderten Kindern Unterstützung bei der Betreuung ihrer Kinder erhalten und die Kinder Generationen-Solidarität erleben.

Es könnten sogar Sozial- und Pflegeleistungen vermindert oder zumindest hinausgezögert werden, was auf lange Sicht zu einer Entlastung der Kosten aus dem öffentlichen Haushalt beitrüge.

Unser Projekt könnte so als bürgerschaftlicher Beitrag zur Entwicklung einer „sozialen Stadt“ für das Wohnen in der Zukunft beispielhaft wirken. Wir wollen einen Weg gehen, der es erlaubt, in Würde alt zu werden und unseren Kindern in Geborgenheit und menschlicher Wärme aufzuwachsen.

8. Kooperationsprojekte in Amelinghausen

Die Samtgemeinde Amelinghausen blickt auf eine fast 6000 Jahre alte Kultur zurück. Die eindrucksvollen und weithin bekannten Großsteingräber geben Zeugnis über die Einwanderung der ersten Ackerbauern im Luhetal. Dieses historische Schlüsselereignis fällt in die jungsteinzeitliche Epoche der Trichterbecherkultur, die in der Heideregion um 3700 v.Chr. beginnt.

Dieses kulturelle Erbe möchte Nicos Farm in das Wohnprojekt einfließen lassen. Mit Unterstützung des Regionalarchäologen, Herrn Dr. Frank Andraschko vom Archäologischen Intstiut der Universität Hamburg, Mitbegründer des Netzwerkes AGIL für angewandte Archäologie, soll auf Nicos Farm eine archäologische Experimentalbaustelle entstehen.

Das Projekt wendet sich an Kinder und Jugendliche in der Region, aber auch weiterführend an interessierte Besucher der Samtgemeinde. Wir streben eine enge Kooperation mit dem Museum in Oldendorf an der Luhe an, das sich in unmittelbarer Nähe zur Oldendorfer Totenstatt befindet.

Die Idee des Projektes ist es, dass alle Beteiligten zusammen in einem gemeinsamen Prozess herauszufinden versuchen, wie ihre Vorfahren in dieser Zeit gelebt, gewohnt und gearbeitet haben. Der Lerneffekt hat zwei Ebenen, einerseits wendet das Projekt sich an Primärschulkinder, andererseits geht es um praktisches Umsetzen von Elementen der Naturerlebnispädagogik.

In Form von Workshops und Zeltlagern soll auch überregional Schulklassen die Möglichkeit „Geschichte zu erleben“ angeboten werden. Nicos Farm hat über die Aktionen „Behinderung erleben“ zahlreiche Kontakte zu Schulen im norddeutschen Raum. Vorgespräche zu diesem Projekt zeigten bei den Lehrern ein überwältigendes Interesse. Darüber hinaus führt es zu einer Integration mit unseren behinderten Bewohnern und sichert für diese auch langfristig Arbeitsmöglichkeiten.

Abgerundet wird das Projekt durch eine spielerisch, sinnliche Form der Auseinandersetzung mit Naturphänomenen. Der Physiker Dr. Erich Bäuerle erklärte sich bereit, einen Sinnespfad einzurichten, bei dem insbesondere physikalische Gesetzmäßigkeiten in spielerischer Form eingesetzt werden. Dieser „Sinnesgarten“ soll ebenso, wie den Schulkindern, den Senioren sowie einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Dr. Bäuerle hat bereits im Wendland zahlreiche Erlebnispfade eingerichtet, die von den Schulen gern besucht werden.

Unsere Projekte werden ebenfalls durch Frau Professor Dr. Gabriele Winker von der Technischen Universität TU Hamburg Harburg sowie von Dr. Hanneli Döhner von der bundesweiten Interessengemeinschaft „wir pflegen e.V.“ unterstützt.

9. Schlusswort

„Teilhabe ist Menschenrecht“ zitiert Hubert Hüppe, der ehemalige Beauftragte für die Belange behinderter Menschen der Bundesregierung, aus der UN-Behindertenrechtskonvention, die seit März 2009 auch in der Bundesrepublik verbindlich ist, und deren Umsetzung er als Mittelpunkt seiner Aufgaben sieht.

Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf selbstbestimmte und umfassende Teilhabe und auf Gleichstellung in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens – ihre Angehörigen auch.

Nicos Farm ist ein Projekt, das diese Teilhabe für Kinder mit Behinderungen und ihre Familien umfassend verwirklichen will. Nicos Farm könnte ein Leuchtturm werden, der bundesweit Signale aussendet, Signale, die positiv sind, zukunftsweisend, wirklich besonders.

Durch die dargelegten Ideen für die Nutzung der Liegenschaft u.a. als Ort der Kultur und Bildung und als Begegnungsstätte, wird deutlich, wie der Verein „Nicos Farm e.V.“ das Objekt im Falle einer Übernahme für die Allgemeinheit öffnen und im Interesse der Samtgemeinde Amelinghausen sowie für Niedersachsen erhalten und betreiben würde.

 „Der Mensch, der den Berg versetzte, war derselbe,
 der anfing kleine Steine wegzutragen.“ Chinesisches Sprichwort


Letzte Änderung March 16, 2015 11:30 am